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Beschreibung

Der Schriftsteller Georg Woerer (1961 – 2010) bezeichnet sein Theaterstück Unter dem letzten Viertel des Mondes geboren als ein „großes nacktes Selbstgespräch.” Entsprechend nennt er seine beiden Hauptpersonen ICH I (eine Frau) und ICH II (ein Mann). Woerer lässt seine Protagonisten die Bühne des Lebens betreten, arbeitet in der ihm eigenen klaren Sprache vor dem Hintergrund der Diskussion um den Abtreibungsparagrafen 218 elementare Sinnfragen des Menschseins auf. Ihm geht es um den Konflikt des Individuums mit sich selbst und um jenen mit moralgesellschaftlichen Konventionen, beide trägt er radikal aus mit Fragen nach Schuld und Sühne und der Unfähigkeit, damit umzugehen.

Der Mensch in seiner inneren Zerrissenheit verweigert sich zwar der Suche nach seinen Wurzeln, ist aber dennoch auf der Suche nach seinem wahren Selbst, seinem inneren Bewusstsein und empfindet sich dabei als nicht lösbaren Widerspruch. In dem Stück geht es aber auch um das Individuum, das sich gesellschaftlichen Zwängen ausgesetzt sieht, denen es sich nur schwer entziehen kann, weil ein solches Sich-Entziehen auch den Tod in Kauf nimmt. Dennoch ist Unter dem letzten Viertel des Mondes geboren kein destruktives, verzweifeltes Ringen um Wahrheiten, sondern eines, das tiefe (Selbst-)Erkenntnis fordert – ein Ringen von zeitloser Aktualität.

Michael Tempel, Journalist